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Sechs Irrtümer zum Thema Lernen

mädchen_lernen © archiv
Höchste Zeit, mit einigen falschen Vorstellungen über das Lernen gründlich aufzuräumen! Dabei müssen leider auch ein paar Dinge gesagt werden, die dir vielleicht weniger gefallen …

Durch die Erkenntnisse der Hirnforschung und der Lernforschung wissen wir heute viele Dinge über das Lernen, die man früher nicht wusste. Lass dir also nicht von falschen Ansichten und veralteten Vorstellungen deine Zeit stehlen.

1. Bloß keine Fehler machen!

Ein großer Irrtum! Wahr ist: Beim Lernen spielen Fehler eine wichtige Rolle. Aus Fehlern lernt man – und zwar mehr, als du glaubst. Man lernt zum Beispiel, dass ein bestimmter Lösungsweg falsch war. Oder dass du etwas vielleicht nicht richtig verstanden hast und noch einmal nachlesen oder nachfragen musst.
Du lernst aber auch, den Frust auszuhalten, wenn z. B. die Lösung deiner Matheaufgabe nicht mit dem Ergebnis im Lösungsheft übereinstimmt.
Wichtig ist es in diesem Fall, nicht gleich aufzugeben. Lieber noch einmal darüber nachdenken, wo auf deinem Lösungsweg du die falsche Abzweigung genommen oder dich verrechnet hast. Berühmte Wissenschaftler wie Einstein wären nicht auf ihre Erkenntnisse gestoßen, hätten sie nicht Rückschläge verkraftet und es immer wieder von Neuem probiert.
Wenn du es aber zulässt, dass deine Lernbereitschaft unter einer fehlerhaften Arbeit leidet, sind schlechte Noten die Folge.

2. Mit Musik kann man besser lernen

Eine Halbwahrheit, denn diese uralte Streitfrage zwischen Eltern und Teenagern ist nicht eindeutig entschieden.
Erstens kommt es auf den Lerntyp an, zweitens auf die Musik, drittens darauf, an welcher Aufgabe du sitzt.
Während der eine sich durch jede Art von Geräusch abgelenkt fühlt, verstärkt Musik beim anderen die Speicherfähigkeit. Eine Studie an einer amerikanischen Universität hat gezeigt, dass Studenten, die mit Hintergrundmusik lernten, beim Verfassen von Texten mehr Fehler machten und auch weniger schrieben. Andere Untersuchungen ergaben, dass es auf die Musik und ihre Lautstärke ankommt, ob und wie sie sich auf das Lernen auswirkt.
Wenn du lieber Hitparadenmusik hörst als klassische Musik, solltest du die akustische Dröhnung besser auf später verschieben. Schnelle Beats sind nämlich beim Lernen eher hinderlich. Das gilt vor allem, wenn du dir neuen Lernstoff einprägen möchtest.

3. Unter Druck lernt man am besten

Wahr ist: Zeitknappheit spornt manche Menschen tatsächlich zu Höchstleistungen an. Aber unter Druck zu lernen sollte nur riskieren, wer schon sehr viel Vorwissen hat. Das Gehirn braucht einige Zeit, bis es einen Lernstoff sicher gespeichert hat. Wer sich den ganzen Stoff für den Tag vor der Prüfung aufspart, kann sich keine Pausen gönnen und auch keine Wiederholungseinheiten einbauen. Crash- Lerner riskieren außerdem, dass die Angst sie lähmt. Und dann geht meist gar nichts mehr …

4. Buben sind in Mathe einfach besser

Unsinn! Zwar ist es gut möglich, dass die Buben in eurer Klasse im Durchschnitt besser in Mathe abschneiden als die Mädchen, doch dafür kann es verschiedene Gründe geben. Einer davon ist, dass Mädchen sich in Mathe weniger zutrauen. Vielleicht weil sie an diesen Unsinn glauben, dass Buben in Mathe einfach besser sind … Es ist also das miese Selbstbild vieler Mädchen in Bezug auf Mathe, das allein schon zum Versagen führen kann. Oder anders ausgedrückt: Wer nicht an sich glaubt, wird auch keinen Erfolg haben.

5. Man muss etwas oft lesen, um es zu behalten

Nicht richtig und vor allem nicht zeitsparend! Wiederholtes Lesen kostet dich jede Menge Kraft und unnötige Stunden Arbeit. Probiere es aus und du wirst feststellen: Wenn du den Stoff schriftlich oder mündlich wiedergeben sollst, schaffst du es nur mit Mühe. Vor allem, wenn es sich um einen umfangreicheren Lernstoff handelt.
Besser ist es, dir den Lernstoff – in drei Schritten – häppchenweise einzuverleiben.

1. Lies nur so viel Lernstoff auf einmal, wie du dir unmittelbar merken kannst. Diesen Lernstoff gibst du gleich anschließend aus dem Gedächtnis und mit eigenen Worten wieder.

2. Nach drei Minuten versuchst du die erste Lerneinheit noch einmal wiederzugeben. In der Zwischenzeit kannst du dir aber schon die nächste Lerneinheit reinziehen.

3. Nun überprüfst du, ob du dein Wissen richtig wiedergegeben hast. Falls nicht, starte wieder bei 1.

Mit dem Buch unter dem Kopfpolster kann man lernen Falsch!

Wenn es so einfach wäre, gäbe es auf der Welt lauter Genies. Trotzdem gibt es das Lernen im Schlaf tatsächlich! Vielleicht kannst du dich an die Werbung mit dem Baby erinnern, das sich in der Nacht die Gesichter seiner Lieben einprägt.
Wie so etwas möglich ist? Auch im Schlaf sind die Nervenzellen im Gehirn aktiv. Das Gehirn macht also keine Pause – nachts verarbeitet es die Informationen und Eindrücke vom Tag. Daher ist ausreichender Schlaf so wichtig. Und dass man sich vor dem Schlafengehen nicht etwa einen Horrorfilm reinzieht oder ein aufpeitschendes Computerspiel spielt.

Evelyn Kapaun

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