Alana und der Zauberring
Nicole Greiderer besucht die 1. Klasse der NMS Rattenberg. Die 10-Jährige ist seit Jahren sehr kreativ und - laut Angaben ihres Lehrers - fanatisch bei jeder Textherstellung. Hier eine Kostprobe ihres schreiberischen Talents ...
Vor vielen, vielen Jahren lebte einmal ein kleines Mädchen mit seiner Großmutter allein im Wald. Die Mutter war vor ein paar Monaten gestorben.
Da das Kind, das den Namen Alana trug, blind war, konnte es seiner Oma nur schwer zur Hand gehen und die alte Frau musste die meiste Arbeit alleine machen. Das schwächte sie und ihre Kräfte schwanden von Tag zu Tag mehr.
Eines Tages, als die Großmutter wieder einmal in den Wald gegangen war, um Holz zu hacken, da trug es sich zu, dass Alana traurig am Fenster lehnte. Da kam ein altes Weiblein daher.
„Wer ist da?“ , wollte das blinde Mädchen wissen. „Habe keine Angst! „Ich bin nur ein altes Weib und zufällig hier vorbeigekommen, da habe ich dich am Fenster gesehen“ , erzählte die Alte. „Aber was machst du für ein Gesicht?“
„Ach, es ist nur, das die Kräfte meiner Großmutter schwinden und ich ihr nicht helfen kann, weil ich doch blind bin“ , erwiderte Alana.
„Ich kann dich gut verstehen und habe hier einen Ring, den ich dir schenken möchte. Es gibt nämlich eine Möglichkeit, dein Augenlicht zurückzugewinnen. Tief im Wald der tausend Schatten liegt eine Höhle. In ihrem Inneren befindet sich eine Quelle, die jede Krankheit heilen kann. Denn sie besteht aus ‚Stohn’ , einer Zauberflüssigkeit. Doch die Quelle ist versiegt und nur wer drei Aufgaben lösen kann, bringt sie zum Sprudeln, darf von ihr trinken und so viel er will mitnehmen. Mein treuer Esel, sein Name ist Jonas, wird dich geleiten. Doch bei den Aufgaben kann und darf er dir nicht behilflich sein. Hüte dich jedoch vor den ,Stohnzwergen’. Sie sind die Hüter der Zauberquelle und werden mit allen Mitteln versuchen, dich unschädlich zu machen.
Nun zum Ring: Dieses Schmuckstück besitzt ungeahnte Kräfte. Denn es kann dir jeden Wunsch erfüllen. Die Wirkung des Rings lässt jedoch nach einer Stunde wieder nach. Außerdem hast du nur einen Wunsch frei.
Mach dich am besten gleich auf den Weg. Ich werde deiner Großmutter berichten, wohin du gehst“ , sprach das Weiblein. Alana wollte sie noch etwas fragen, doch die Alte war verschwunden. Nur der Esel stand noch da. Also packte das Kind seine Sachen und ritt auf Jonas los.
Sie war jetzt schon ein paar Stunden unterwegs, als ein Zwerg daherkam. „Ich bin ein Stohnzwerg und wenn du hier vorbeiwillst, dann musst du mir erst meinen Ring, den ich vor vielen Jahren an dieser Stelle verloren habe, wiederbringen. Na los! Du hast nicht ewig Zeit! Bis zum Morgengrauen musst du ihn finden, denn sonst bist du verloren!“ , zeterte der kleine Wicht, während er um Alana herumhüpfte.
„Aber woher soll ich wissen, wo ich suchen muss?“ , erkundigte sich diese.
„Wo die Feder den Bären am Bauch kitzelt, dort wirst du ihn finden.“ Das war ein Rätsel. Aber wo gab es hier Federn und Bären? Verzweifelt lief das blinde Mädchen weiter. Sollte sie den Ring benützen? Da stieß sie an einen Baum. Das brachte Alana auf eine Idee. Ihre Großmutter hatte ihr nämlich einmal erzählt, dass genau über der größten Fichte im Wald das Sternbild „großer Bär“ lag. Dieser Baum war eine Fichte, das fühlte das Kind. Außerdem war der Stamm fünfmal so breit wie sie. Vielleicht musste man nur am Fuße dieser monströsen Fichte graben. Denn dieser Baum kitzelte - sollte er wirklich der größte im Wald der tausend Schatten sein - den großen Bären am Bauch.
Sofort fing Alana an zu graben. Doch sie fand nichts. Gerade wollte sie aufgeben, da berührte ihr zarter Finger einen Gegenstand. Aufgeregt griff das Kind danach. Tatsächlich! Es fühlte sich an, als ob es ein Ring wäre. Sie nahm ihn und lief zu dem Zwerg. „Ist er das?“ , fragte sie hoffnungsvoll. „Nein! Du hast ihn gefunden! Das darf doch nicht wahr sein!“ , schrie der Wicht und stampfte wütend mit seinen kleinen Füßchen auf. Alana aber nahm den Esel, stieg auf und ritt weiter.
„Halt! Stehenbleiben! Ich bin ein Soldat und im Auftrag von König Stohnislaus dem winzigen befehle ich dir, anzuhalten!“, brüllte jemand. „Ach, du bist wohl auch einer dieser Stohnzwerge, oder?“, wollte Alana wissen. „Ganz recht. Um hier durchzukommen, sage mir, welches Lebewesen am Morgen auf vier, am Mittag auf zwei und am Abend auf drei Beinen geht!“
„Oh, das ist leicht“ , sagte das Mädchen, „es ist der Mensch! Am Morgen seines Lebens krabbelt er, geht also auf vier Beinen. Zu Mittag, in der Lebensmitte läuft er auf zwei Beinen und abends, am Ende seines Lebens geht er mit Hilfe eines Stocks, auf drei Beinen. Das hat mir meine Oma erzählt“ , sagte das blinde Mädchen und ritt lächelnd an dem Zwerg vorbei, der gleich wie sein Kollege reagierte.
Dieses Mal dauerte es nicht so lange, bis sie abermals aufgehalten wurde. Alana bremste ihren Esel und fragte: „Was ist? Bist du auch einer von diesen Zwergen?“
„Ja, in der Tat. Du aber bist eine normal Sterbliche und um hier vorbeizugelangen musst du...“ Weiter kam er nicht, denn das Mädchen unterbrach ihn: „... eine Prüfung bestehen. Jaja, ich weiß. Aber mach schnell, ich hab’ s eilig!“ Der Zwerg fuhr etwas verärgert fort: „Nun gut. Die dritte und somit letzte Aufgabe besteht darin, dass du das wilde Nashorn erlegst. In seinem Inneren findest du einen Schlüssel. Nur mit ihm kannst du die Tür zur Höhle, in der die Quelle des Stohn schlummert, öffnen.“ Da war der Stohnzwerg auch schon verschwunden. Dafür konnte Alana nun den Atem des Nashorns spüren. Doch sie hatte keine Angst. Sie ging auf das Tier zu und sprach: „Ich möchte dich nicht töten. Auch bin ich blind, was mir im Kampf gegen dich kaum von Vorteil sein würde. Aber ich habe hier einen Ring. Ich werde mir einfach wünschen, dass ich den Schlüssel in der Hand halte und dir nichts passiert.“ Sie nahm den Ring, drehte daran und auf einmal spürte das Kind einen Gegenstand auf ihrer Hand, der sich, als sie ihn abtastete, als Schlüssel herausstellte. Er lag schwer in der Hand. Alana rannte los. Als sie glaubte, an der Stelle angekommen zu sein, an der sie den Zwerg getroffen hatte, blieb sie stehen und rief: „He Zwerg! Ich hab den Schlüssel! Komm raus und lass mich vorbei.“ Nach einigen Augenblicken angestrengten Lauschens erschien der Zwerg und als er sah, dass das kleine blinde Mädchen den Schlüssel in der Hand hielt, stampfte er wutentbrannt auf und stieß einen gellenden Schrei aus.
Alana aber ging in die Höhle und trank von dem Stohn. Dann kehrte sie als sehender Mensch zu ihrer Oma zurück. Von nun an lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende.
Und wenn sie jetzt immer
noch nicht gestorben
sind, dann leben
sie noch
heute!
Nicole Greiderer, 1b
Da das Kind, das den Namen Alana trug, blind war, konnte es seiner Oma nur schwer zur Hand gehen und die alte Frau musste die meiste Arbeit alleine machen. Das schwächte sie und ihre Kräfte schwanden von Tag zu Tag mehr.
Eines Tages, als die Großmutter wieder einmal in den Wald gegangen war, um Holz zu hacken, da trug es sich zu, dass Alana traurig am Fenster lehnte. Da kam ein altes Weiblein daher.
„Wer ist da?“ , wollte das blinde Mädchen wissen. „Habe keine Angst! „Ich bin nur ein altes Weib und zufällig hier vorbeigekommen, da habe ich dich am Fenster gesehen“ , erzählte die Alte. „Aber was machst du für ein Gesicht?“
„Ach, es ist nur, das die Kräfte meiner Großmutter schwinden und ich ihr nicht helfen kann, weil ich doch blind bin“ , erwiderte Alana.
„Ich kann dich gut verstehen und habe hier einen Ring, den ich dir schenken möchte. Es gibt nämlich eine Möglichkeit, dein Augenlicht zurückzugewinnen. Tief im Wald der tausend Schatten liegt eine Höhle. In ihrem Inneren befindet sich eine Quelle, die jede Krankheit heilen kann. Denn sie besteht aus ‚Stohn’ , einer Zauberflüssigkeit. Doch die Quelle ist versiegt und nur wer drei Aufgaben lösen kann, bringt sie zum Sprudeln, darf von ihr trinken und so viel er will mitnehmen. Mein treuer Esel, sein Name ist Jonas, wird dich geleiten. Doch bei den Aufgaben kann und darf er dir nicht behilflich sein. Hüte dich jedoch vor den ,Stohnzwergen’. Sie sind die Hüter der Zauberquelle und werden mit allen Mitteln versuchen, dich unschädlich zu machen.
Nun zum Ring: Dieses Schmuckstück besitzt ungeahnte Kräfte. Denn es kann dir jeden Wunsch erfüllen. Die Wirkung des Rings lässt jedoch nach einer Stunde wieder nach. Außerdem hast du nur einen Wunsch frei.
Mach dich am besten gleich auf den Weg. Ich werde deiner Großmutter berichten, wohin du gehst“ , sprach das Weiblein. Alana wollte sie noch etwas fragen, doch die Alte war verschwunden. Nur der Esel stand noch da. Also packte das Kind seine Sachen und ritt auf Jonas los.
Sie war jetzt schon ein paar Stunden unterwegs, als ein Zwerg daherkam. „Ich bin ein Stohnzwerg und wenn du hier vorbeiwillst, dann musst du mir erst meinen Ring, den ich vor vielen Jahren an dieser Stelle verloren habe, wiederbringen. Na los! Du hast nicht ewig Zeit! Bis zum Morgengrauen musst du ihn finden, denn sonst bist du verloren!“ , zeterte der kleine Wicht, während er um Alana herumhüpfte.
„Aber woher soll ich wissen, wo ich suchen muss?“ , erkundigte sich diese.
„Wo die Feder den Bären am Bauch kitzelt, dort wirst du ihn finden.“ Das war ein Rätsel. Aber wo gab es hier Federn und Bären? Verzweifelt lief das blinde Mädchen weiter. Sollte sie den Ring benützen? Da stieß sie an einen Baum. Das brachte Alana auf eine Idee. Ihre Großmutter hatte ihr nämlich einmal erzählt, dass genau über der größten Fichte im Wald das Sternbild „großer Bär“ lag. Dieser Baum war eine Fichte, das fühlte das Kind. Außerdem war der Stamm fünfmal so breit wie sie. Vielleicht musste man nur am Fuße dieser monströsen Fichte graben. Denn dieser Baum kitzelte - sollte er wirklich der größte im Wald der tausend Schatten sein - den großen Bären am Bauch.
Sofort fing Alana an zu graben. Doch sie fand nichts. Gerade wollte sie aufgeben, da berührte ihr zarter Finger einen Gegenstand. Aufgeregt griff das Kind danach. Tatsächlich! Es fühlte sich an, als ob es ein Ring wäre. Sie nahm ihn und lief zu dem Zwerg. „Ist er das?“ , fragte sie hoffnungsvoll. „Nein! Du hast ihn gefunden! Das darf doch nicht wahr sein!“ , schrie der Wicht und stampfte wütend mit seinen kleinen Füßchen auf. Alana aber nahm den Esel, stieg auf und ritt weiter.
„Halt! Stehenbleiben! Ich bin ein Soldat und im Auftrag von König Stohnislaus dem winzigen befehle ich dir, anzuhalten!“, brüllte jemand. „Ach, du bist wohl auch einer dieser Stohnzwerge, oder?“, wollte Alana wissen. „Ganz recht. Um hier durchzukommen, sage mir, welches Lebewesen am Morgen auf vier, am Mittag auf zwei und am Abend auf drei Beinen geht!“
„Oh, das ist leicht“ , sagte das Mädchen, „es ist der Mensch! Am Morgen seines Lebens krabbelt er, geht also auf vier Beinen. Zu Mittag, in der Lebensmitte läuft er auf zwei Beinen und abends, am Ende seines Lebens geht er mit Hilfe eines Stocks, auf drei Beinen. Das hat mir meine Oma erzählt“ , sagte das blinde Mädchen und ritt lächelnd an dem Zwerg vorbei, der gleich wie sein Kollege reagierte.
Dieses Mal dauerte es nicht so lange, bis sie abermals aufgehalten wurde. Alana bremste ihren Esel und fragte: „Was ist? Bist du auch einer von diesen Zwergen?“
„Ja, in der Tat. Du aber bist eine normal Sterbliche und um hier vorbeizugelangen musst du...“ Weiter kam er nicht, denn das Mädchen unterbrach ihn: „... eine Prüfung bestehen. Jaja, ich weiß. Aber mach schnell, ich hab’ s eilig!“ Der Zwerg fuhr etwas verärgert fort: „Nun gut. Die dritte und somit letzte Aufgabe besteht darin, dass du das wilde Nashorn erlegst. In seinem Inneren findest du einen Schlüssel. Nur mit ihm kannst du die Tür zur Höhle, in der die Quelle des Stohn schlummert, öffnen.“ Da war der Stohnzwerg auch schon verschwunden. Dafür konnte Alana nun den Atem des Nashorns spüren. Doch sie hatte keine Angst. Sie ging auf das Tier zu und sprach: „Ich möchte dich nicht töten. Auch bin ich blind, was mir im Kampf gegen dich kaum von Vorteil sein würde. Aber ich habe hier einen Ring. Ich werde mir einfach wünschen, dass ich den Schlüssel in der Hand halte und dir nichts passiert.“ Sie nahm den Ring, drehte daran und auf einmal spürte das Kind einen Gegenstand auf ihrer Hand, der sich, als sie ihn abtastete, als Schlüssel herausstellte. Er lag schwer in der Hand. Alana rannte los. Als sie glaubte, an der Stelle angekommen zu sein, an der sie den Zwerg getroffen hatte, blieb sie stehen und rief: „He Zwerg! Ich hab den Schlüssel! Komm raus und lass mich vorbei.“ Nach einigen Augenblicken angestrengten Lauschens erschien der Zwerg und als er sah, dass das kleine blinde Mädchen den Schlüssel in der Hand hielt, stampfte er wutentbrannt auf und stieß einen gellenden Schrei aus.
Alana aber ging in die Höhle und trank von dem Stohn. Dann kehrte sie als sehender Mensch zu ihrer Oma zurück. Von nun an lebten sie glücklich bis an ihr Lebensende.
Und wenn sie jetzt immer
noch nicht gestorben
sind, dann leben
sie noch
heute!
Nicole Greiderer, 1b
