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Wer wagt, gewinnt! Stimmt das?

Mädchen © Shutterstock
Es ist keine Heldentat, in der Gruppe über einen Schwachen herzufallen. Aber man darf stolz auf sich sein, wenn man sich schützend vor ein Mobbing-Opfer stellt. In welchen Situationen hast du Mut bewiesen? Poste deinen Kommentar ins Forum!

Wer sich getraut, Lehrern eine freche Antwort zu geben, mit bauchfreiem T-Shirt im Unterricht zu erscheinen, oder die Hausaufgaben in letzter Minute abzuschreiben, der wird bewundert. Es gilt als cool, sich gegen Verbote aufzulehnen und Regeln zu brechen. Je größer das Risiko, desto mehr Beifall erntet man.

Mutprobe gefällig?

In manchen Cliquen findet ein Wettstreit statt, bei dem jeder den anderen an Unerschrockenheit zu überbieten versucht. Man lässt keine Gelegenheit ungenützt, um Mutproben zu veranstalten. Wer wagt einen Kopfsprung vom Zehn-Meter-Brett? Wer nimmt einen Verweis vom Direktor in Kauf wegen wiederholten Schuleschwänzens? Wer ist abgebrüht genug, vor den Augen des Privatdetektivs im Supermarkt zu klauen? Buben neigen besonders dazu, ihre Furchtlosigkeit unter Beweis zu stellen. Denn ein richtiger Mann – so meinen sie – kennt keine Angst. Um die gleichaltrigen Kumpels zu beeindrucken, ist manch einem jedes Mittel recht. Strafpredigten und schlechte Noten verschmerzt man ohne weiteres, denn sie sind die Siegeszeichen im Kampf um Anerkennung.

Risiko – eine persönliche Angelegenheit

Es macht Spaß, seine Kräfte im Wettbewerb mit Gleichaltrigen zu messen. Es steigert das Selbstbewusstsein, wenn man über sich selbst hinauswächst und die eigene Angst überwindet. Allerdings nur dann, wenn man die Chance hat, unverletzt und siegreich aus dem Wettkampf hervorzugehen. Nicht jeder bringt nämlich die gleichen Voraussetzungen mit. Der geübte Turmspringer setzt sich keiner Gefahr aus, wenn er vom Zehn-Meter-Brett kopfüber ins Wasser springt. Der unsportliche Mitschüler hingegen riskiert bei einem solchen Sprung Kopf und Kragen. Der Vorzugsschüler handelt sich mit seinen vorlauten Sprüchen höchstens eine schlechte Betragensnote ein. Ein schlechter Schüler, der auch noch frech ist, verscherzt sich womöglich den letzten Rest an Wohlwollen seiner Lehrer.

Streiche mit Verstand und Maß

Immer nur brav und folgsam zu sein, erscheint vielen Kindern langweilig. Sie wollen schon mal ein Abenteuer erleben und ihre Tapferkeit unter Beweis stellen. Die richtige Portion an Aufregung bringt Würze in den Alltag. Das hat uns schon die schwedische Schriftstellerin Astrid Lindgren mit Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga vor Augen geführt. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass sich die beiden einen Streich einfallen lassen. Auch wenn sie den Erwachsenen ganz schön Kopfzerbrechen bereiten, sind ihre Scherze meistens harmlos und gutmütig. Pippi und Michel haben wohl auch deshalb bis heute eine so große „Fangemeinde“, weil sie die Vorschriften der „Großen“ nicht gleich brav befolgen. Sie zeigen Mut, indem sie gegen Regeln der Erwachsenen verstoßen, wenn ihnen diese sinnlos vorkommen. Sie leben uns vor, dass man den eigenen Trotz auch für eine gute Sache einsetzen kann.

Mut – eine Sache des Herzens

Es ist nicht mutig, wenn man sich über die übergewichtige Lehrerin lustig macht und dabei die Klasse zum Lachen bringt. Es erfordert aber Rückgrat, einen Lehrer wegen einer vermeintlichen Ungerechtigkeit zur Rede zu stellen. Es ist keine Heldentat, in der Gruppe über einen Schwachen herzufallen. Man darf aber mit Recht stolz auf sich sein, wenn man sich schützend vor ein Mobbing-Opfer stellt. Wir befinden uns immer wieder in Situationen, in denen Zivilcourage gefragt ist. Eine beherzte Tat, mit der man anderen hilft, bringt einem aber nicht immer nur Lorbeeren ein.

No risk, no fun?

Nach dem Motto „No risk, no fun“ suchen viele Draufgänger den Kick bei Sport und Spiel. Wer wie der geölte Blitz die Piste hinunterrast, in den Tiefschneehang einfährt oder eine Felswand ungesichert erklettert, der gilt als „wilder Hund“. Nur wer hoch pokert und seine Sicherheit aufs Spiel setzt, gilt als toller Kerl. Burschen feuern sich oft gegenseitig zu „Höchstleistungen“ an.
So wächst die Bereitschaft zum Risiko. Den Ehrgeiz, mithalten zu können, bezahlen viele Jugendliche mit Verletzungen und manche sogar mit ihrem Leben. Wenn es zu Unfällen kommt, fügen sie häufig nicht nur sich selbst, sondern auch anderen Schaden zu. Nicht nur beim Ausüben extremer Sportarten stellen Jugendliche ihre Waghalsigkeit zur Schau. Auch der Konsum von Alkohol (Stichwort Komasaufen) soll den Kollegen beweisen, dass einen nicht einmal ein drohender körperlicher Zusammenbruch abschrecken kann.

Mut zur Vorsicht Nicht jedem bereitet es Vergnügen, sich an gefährlichen Mutproben zu beteiligen. Manchmal braucht es Mut, um sich dem Gruppendruck zu widersetzen. Die wahren Helden vollbringen ihre Taten im Stillen und benötigen dafür kein Publikum.

Dr. Ulrike Paul

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