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Ein Hilferuf der Seele

Essstörungen © Shutterstock
Für Jugendliche ist es wichtig, über Essstörungen Bescheid zu wissen. Immerhin gelten diese als die psychische Erkrankung Nummer Eins bei Heranwachsenden. Von Magersucht sind vorwiegend Mädchen betroffen. Unter Esssucht leiden eher die Buben.

Schnelle Hilfe statt abwarten

Gestörtes Essverhalten darf nicht als Problem abgetan werden, das sich mit dem Älterwerden schon „auswachsen“ wird. Essprobleme bleiben vielfach bis ins Erwachsenenalter hinein und oftmals über den Großteil des Lebens hinweg bestehen. Mit der Dauer der Erkrankung nimmt das Risiko für die Gesundheit zu. Je rascher eine Behandlung erfolgt, desto größer sind die Chancen auf Heilung. Werden frühe Anzeichen rechtzeitig erkannt, so kann der Ausbruch der Krankheit oft sogar verhindert werden.

Schönheitsterror

Für die Entstehung von Essproblemen gibt es nicht nur eine Ursache. Meistens finden sich im Leben der Betroffenen mehrere Auslöser, die gleichzeitig auftreten. Das Schönheitsideal, welches Frauen Schlankheit und Männern Muskeln vorschreibt, setzt viele Jugendliche unter Druck. Mit den perfekten Körpern, die uns die Medien zeigen, kann kaum einer mithalten. Mit dem Ehrgeiz, an dieses Ideal möglichst nahe heranzukommen, fängt so mancher Leidensweg an.

Schönheit – Garantie für Erfolg?

In der Pubertät verändert sich der Körper wie noch nie zuvor. Viele Jugendliche fühlen sich in ihrer „neuen Haut“ zunächst einmal gar nicht wohl. Jugendliche, die mit ihrem Aussehen besonders unzufrieden sind, sind besonders anfällig für Essstörungen. In den Augen vieler Leute gehören Schönheit, Reichtum und Erfolg untrennbar zusammen. „Wenn ich einmal schön bin, dann werde ich beliebt sein!“, hofft so mancher.
Jugendliche mit geringem Selbstvertrauen glauben, sich Anerkennung über gutes Aussehen verdienen zu können.

Der perfekte Körper – für jeden erreichbar?

Ein verzerrter Blick auf den eigenen Körper kann dazu führen, dass man Mängel sieht, wo keine sind. Essgestörte haben das Urteilsvermögen in Bezug auf ihren Körper verloren. Im einen Moment halten sie sich für hässlich, im anderen glauben sie, mit etwas Anstrengung für den Laufsteg tauglich zu sein. Gleichzeitig leugnen sie aber auch die Grenzen, die ihnen ihr Körper setzt. So bringt extremes Untergewicht breite Hüften nicht zum Verschwinden, sondern eher zur Geltung. Wer glaubt, mit Muskeln geringe Körpergröße wettmachen zu können, der irrt. Ein muskelbepackter Körper wirkt optisch sogar noch kleiner.

Leben mit der Sucht – Schadensbegrenzung

Menschen mit Essproblemen wünschen sich, wieder essen zu können, ohne dauernd Kalorien zählen zu müssen. Haben sich die problematischen Essgewohnheiten erst einmal eingeschlichen, ist es aber gar nicht so leicht, sie wieder loszuwerden. Bevor man eine Sucht hinter sich lassen kann, muss man meistens lernen, erst einmal mit ihr zu leben. Das soll aber nicht bedeuten, dass man die Hoffnung auf Heilung aufgibt. Zunächst sollte man sich darum bemühen, möglichst wenig gesundheitliche Schäden davonzutragen. Durch die Einnahme von Mineralstoffen und Vitaminen kann Mangelerscheinungen, die während des Fastens auftreten, vorgebeugt werden. Das Trinken von Wasser während eines Essgelages kann das Erbrechen erleichtern und eine Verletzung der Speiseröhre vermeiden. Hat man sich übergeben, so kann das Essen eines Löffels Honig oder eines Traubenzuckerwürfels Unterzuckerung, die meistens einen neuen Essanfall auslöst, verhindern.

Hungern und Essen – eine Lösung für Probleme?

Wer seine Essstörung überwinden will, sollte zunächst verstehen, wofür er seine Sucht braucht. Wenn Dünnsein zum wichtigsten Ziel im Leben geworden ist, so liegt das vielleicht daran, dass man es genießt, dem eigenen Körper sagen zu können, wo’s lang geht, während man sich sonst im Leben oft schwach und hilflos fühlt. Wer nicht gelernt hat, sich zur Wehr zu setzen und Konflikte auszutragen, der frisst Wut und Traurigkeit in sich hinein. Schokolade, Chips & Co. spenden Trost und lassen einen die Hänseleien der Mitschüler vergessen … wenigstens solange der Vorrat reicht.

Gefühle – Nahrung für die Seele

Damit man lernt, die Seele mit der richtigen Nahrung zu versorgen, braucht man unbedingt fachliche Hilfe. Wenn du merkst, dass du mit jedem verlorenen Kilo immer mehr „abhebst“, oder du deinen Kummer im Essen erstickst und deinen Frust im Klo runterspülst, dann ist es höchste Zeit, dir Unterstützung zu holen.
Dr. Ulrike Paul

Hilfe bei Essstörungen

Bei der Essstörungshotline nehmen sich geschulte Berater deiner Anliegen an.
Die Essstörungshotline ist von Montag bis Donnerstag von 12 bis 17 Uhr besetzt. Der Anruf erfolgt zum Nulltarif.
Auch E-Mail-Anfragen auf die Adresse hilfe@essstoerungshotline.at werden beantwortet.
Telefon: 0800-201120

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