Im Kinderzimmer ist es am schönsten
Liebe Frau Dr. Paul!
Ich heiße Ronny und bin elf Jahre alt. Ich bin meistens alleine, weil ich so schüchtern bin. In der Klasse habe ich einen Freund, der sitzt neben mir. Nach der Schule können wir aber nicht miteinander spielen, weil er weit weg von mir wohnt. Das macht mir aber nicht so viel aus, weil ich gerne lerne und mich gut mit mir alleine beschäftigen kann. Manchmal spielt auch meine Mama mit mir. Ich mag es nicht, wenn wir auf Urlaub fahren. Wir verbringen jeden August am Meer.
Ich bin aber nicht gerne draußen. Ich fühle mich in meinem Zimmer am wohlsten. Da habe ich meine Playstation und meine Playmobil-Figuren. Die anderen Kinder am Strand beachten mich gar nicht, und ich weiß dann nicht, was ich tun soll. Meistens ist mir langweilig. Ich mag auch nicht so gern ins Wasser gehen, weil ich nicht gut schwimmen kann. Ich möchte, dass mich meine Eltern hier bei der Oma lassen. Können Sie mir einen Tipp geben, wie ich meine Eltern umstimmen kann?
Lieber Ronny!
Es ist gut, wenn man mit sich selbst etwas anzufangen weiß. Viele Kinder können sich mit sich selbst gar nicht beschäftigen und brauchen dauernd die Gesellschaft Gleichaltriger oder Erwachsener. Indem du gut alleine sein kannst, bist du auf andere weniger angewiesen. Und das ist manchmal durchaus von Vorteil.
Hin und wieder aber ist es doch auch schön, etwas in der Gemeinschaft zu unternehmen. Du hast ja einen Schulfreund, den du gerne magst. Wäre es möglich, ihn in den Ferien mal einzuladen, oder zu besuchen? Frag doch deine Eltern, ob sie es dir erlauben.
Du meidest das Wasser, weil du nicht gut schwimmen kannst. Das lässt sich ändern. So könntest du beispielsweise einen Schwimmkurs besuchen, bevor ihr auf Urlaub fahrt. Vielleicht aber wird auch an eurem Ferienort ein Kurs angeboten. Bei der Gelegenheit würdest du auch andere Kinder kennenlernen.
Schüchternheit ist keine angeborene Eigenschaft. Nach und nach kann man lernen, mehr aus sich herauszugehen. Strecke doch mal deine Fühler aus und versuche, am Strand mit anderen Kindern ins Gespräch zu kommen. Vielleicht entdeckst du ja ein anderes Kind, das auch darauf wartet, dass man es aus seinem Schneckenhaus herausholt.
Es wäre schade, wenn du den ganzen schönen Sommer im Zimmer verbringen würdest. Ich wünsche dir, dass du einen Spielgefährten findest, mit dem du gemeinsam Sandburgen bauen kannst.
