Scheue Schwergewichte
Eine Robbe balanciert einen rotierenden Ball auf ihrer Nase. Watschelt dann ein paar Schritte - und schleudert ihn zu einer anderen Robbe. Die kann nur zusehen, wie er neben ihr in den Sand fällt. Denn diese Robbe ist eine Mönchsrobbe: Ihre Hinterflossen sind - anders als die der bekannteren und geschickteren Ohrenrobbe - nicht zum Gehen geeignet. Die Herkunft des Namens versteht, wer sie mit ihrem schweren, plumpen Körper unbeholfen aus dem Wasser robben sieht.
Die Letzten ihrer Art
Aber nicht nur durch ihren Körperbau unterscheiden sie sich von anderen Robbenarten. So findet man sie ausschließlich in warmen Gewässern. Und selbst dort sind sie nicht mehr sehr zahlreich: Nur noch in der östlichen Ägäis, vor allem an der türkischen Küste, kommen sie in größerer Dichte vor. Weltweit, so die Schätzung, gibt es nur mehr 500 von ihnen. Und nach Jahrhunderten der Bedrohung durch den Menschen sind sie scheu geworden.
Ihre Jungen bringen sie nach gut elf Monaten in geschützten, nur vom Wasser aus zugänglichen Felsgrotten zur Welt. Die nächsten sechs Wochen wird das Kalb mit Muttermilch gesäugt. Gejagt wird nachts, oft auch in Gruppen: größere Fische, Tintenfische, Krebse. Die Verständigung untereinander funktioniert dabei durch Jaulen und Bellen. Tagsüber leben die Tiere in ruhigen Buchten, an Felsküsten und verlassenen Sandstränden. Sie lieben es, sich die Sonne auf ihren Bauch scheinen zu lassen. Im Gegensatz zum restlichen dunklen Fell ist dieser sehr hell, oft sogar ein einziger weißer Fleck.
Jagdkonkurrenz
Früher jagte man Mönchsrobben, um ihr Fleisch zu essen, ihr Fett zu verarbeiten oder um sich mit ihrem Fell vor der Kälte zu schützen.
Heutzutage wird den Tieren vor allem die Vernichtung ihres Lebensraums zum Verhängnis. Fischer betrachten Robben nach wie vor als Konkurrenz. Aus Furcht, sie würden ihnen ihre Fische aus den Netzen stehlen, stellen sie ihnen nach. Denn auch die Fische werden weniger und das Meer verdreckt zusehends. Seit 1985 zählen die Mönchsrobben deshalb zu den zwölf weltweit am meisten bedrohten Tierarten.
Wissenswert
Mittelmeer-Mönchsrobbe
Länge: bis zu 300 cm
Gewicht: bis zu 400 kg
Tauchtiefe: um die 30 Meter
Nahrung: größere Fische, Tunfische, Tintenfische, Krebse
Verbreitung: östliches Mittelmeer bzw. Ägäis und in Nordwestafrika
Lebenserwartung: durchschnittlich 30 Jahre
